Irena Wolf - Austerlitz’ Gedankenraum
Künstlerische Szenografie für ein Stationen-Drama,
basierend auf dem Roman „Austerlitz“ von W.G.
Sebald mit insgesamt 9 Stationen/ Abschlussarbeit
Station 5 – „Schulzeit in Wales“
Roman:
W.G. Sebalds Roman handelt von der Identitätsund
Erinnerungsfindung des Jacques Austerlitz, der,
um dem nationalsozialistischen antijüdischen Terror
und der drohenden Vernichtung zu entgehen, 1938
als kleiner Junge auf einem der „Kindertransport“
Züge aus Prag nach England entkam. Zwar hat er
physisch den Holocaust überlebt, leidet jedoch
zeitlebens an den Folgen dieses Traumas.
Schlüsselsequenz
Station 5 „Schulzeit in Wales“:
Als Heranwachsender, gegen Ende seiner
Schulzeit, erfährt Austerlitz zum ersten Mal seinen
richtigen Familiennamen und Näheres über seine
Herkunft. Im kurz darauf folgenden
Geschichtsunterricht stellt sich eine Verbindung zu
Napoleons Schlacht im märkischen Austerlitz her.
Die recht ausführlichen Schilderungen der
militärischen Schachzüge lassen diese historischen
Geschehnisse aufleben und vermengen sich mit
seinen eigenen verdrängten Erinnerungen.
Installation (Räumliche Installation ca. 5 x 8 m):
Die Station führt den Besucher in eine teils lebhafte
und ebenso skurrile Situation ein. In dem dunkel
gehaltenen Raum, dessen Begrenzungen sich nicht
erschließen lassen, befinden sich weiße
Schulmöbel. Ihrer Farbigkeit und eigentlichen
Materialität beraubt entwickeln sich diese zu einer
abstrakten Formierung mit unrealistischer
Skalierung. Wie Austerlitz’ wirre Gedanken
verschmelzen die zunächst akkurat aufgereihten
Schulbänke zu einer bewegten und scheinbar
schwerelosen Landschaft, deren Fragmente ein
aggressives Bild formen. Über die Landschaft
hinweg bewegt sich eine Zinnsoldatenarmee die
vergleichsweise verloren und verletzlich scheint.
Licht/ Projektion (2x Projektor, Folien, Figuren):
Die langen Schatten der aufgelegten Zinnsoldaten
des 2. Weltkrieges überlagern die Installation und
zeigen vergrößert und unscharf ihre Angriffshaltung.
Sie „bewegen“ sich auf Fragmenten von Napoleons
Schlachtplänen rund um Austerlitz. Durch die
natürliche Wirkung von Licht und Schatten und der
Bewegung der Besucher verändert sich die in 2
Schichten angelegte Projektion ständig und
vermittelt so die diffusen Erinnerungsversuche
Jacques Austerlitz.
Sound (2 oder mehr Lautsprecher):
Pausengeräusche, Schülerstimmen, zahlreiche
Schritte einen Flur entlanglaufend, Singen,
Schulklingel verbinden sich zu einer abstrakten
atmosphärischen Toncollage, begleitet von der
Stimme des Erzählers.
Die Arbeit ist ein Spiel mit Assoziationen und
Erinnerungen an unschuldige Kindheit,
Vergangenheit sowie grausame Geschichte, die
sich gegeneinander aufheben und gleichzeitig
verschärfen.
Die bewusst gewählten analogen Mittel der
Installation und Lichtprojektion bringen dem
Betrachter zunächst die Möglichkeit einer
haptischen Erfahrbarkeit und ermöglichen ebenfalls
einen nachvollziehbaren interaktiven Eingriff in die
Szene. Der Betrachter begibt sich in einen Dialog
mit der Skulptur und wird durch die Stimme des
Erzählers in die Gedankenwelt des Hauptdarstellers
geleitet und emotional angesprochen.