Johannes Schott – Kritsche Teleologie
Affirmation als Vermittlungsstrategie
Die Diplomarbeit stellt den Versuch dar, Design um den Begriff einer »Kritischen Teleologie« zu ergänzen. Es handelt sich dabei um eine Methodik, deren Charakter im Wesentlichen utopisch beziehungsweise dystopisch ist. Ihr Zweck ist Aufklärung, respektive Kritik (im ursprünglichen, nicht pejorativen Sinne) durch die gestalterische Extrapolation gestalterischer und gesellschaftlicher »Grundhaltungen«. Die Kritische Teleologie entwickelt Zielzustände, auf die gestalterisches und gesellschaftliches Handeln ihrer impliziten Tendenz nach zusteuern und manifestiert diese Zustände in Entwürfen. Dabei operiert sie insofern spekulativ, als sie von der unwahrscheinlichen Letztverwirklichung einer impliziten Programmatik ausgeht – also von der bedingungslosen Realisation jeweils wirksamer Ideale/Ideen sowie damit einhergehend von der vollkommenen Bewältigung der dieser Verwirklichung entgegenstehenden Probleme. Indem die »Kritische Teleologie« derart radikal gesellschaftliche Teilwirklichkeiten, Einstellungen, Auffassungen oder Ideologien fortspinnt, legt sie dem jeweiligen Ansatz anhängende Aporien und Widersprüche frei und ermöglicht dadurch rückwirkend Erkenntnisse über Jetztzustände. Ferner wird über das Verfahren eine konkrete Ent-Täuschung (Minderung des Wahrheitsanspruchs) von wirkenden (Gestaltungs)-Ideologien sowie die Offenlegung der ihnen zugrundeliegenden, systemischen Dynamiken intendiert. Totalitäre Tendenzen werden entlarvt, indem man sie zu Ende denkt.
Die Arbeit untergliedert sich in drei Teile. Der erste Teil, das »Manifest der Kritischen Teleologie«, stellt einen kurzen Abriss zur Theorie der erprobten Verfahrensweise dar. Teil zwei, die »Durabilis — Agenda 2050«, entspricht einem fiktiven Konzept zur Lösung komplexer sozialer, ökonomischer und ökologischer Problemstellungen, wozu ein gegenwärtig populärer Gestaltungsansatz, welcher konkret auf Verhaltensmanipulation abzielt, zu 150% ernstgenommen und regelgetreu angewandt wurde. Anhand des dritten Teils, »Balance 2050«, wird das entwickelte Konzept mittels einer sich chronologisch steigernden Extrapolation in die Zukunft projeziert, was in seiner Konsequenz »nicht-erwünschte«, mögliche Entwicklungen vergegenwärtigen und somit verhindern soll.