Madeleine Zeppelin - MEDIALE VERMITTLUNG VON NATUR UND UMWELT AN KINDER
Nach der sogenannten KIM-Studie (Medien- pädagogischer Forschungsverband Südwest) surfen etwa 75 Prozent aller deutschen Kinder regelmäßig im Internet. Gleichwohl gibt es bisher kaum Webangebote, die ein kindgerechtes Webdesign aufweisen. Mit der hier beschriebenen Arbeit wurden erstmals Kriterien für die Gestaltung von Webseiten ausgearbeitet und in einer beispielhaft gestalteten Webseite umgesetzt. Darin wurden nicht nur die spezifischen Bedürfnisse, sondern auch die Fähigkeiten von Grundschulkindern berücksichtigt. Darüber hinaus wurde ermittelt, wie ein webbasierter Lernvorgang optimiert, sowie die kindliche Entwicklung und Medienkompetenz gefördert werden kann. Viele Kinder zeigen Defizite in ihrer Natur- und Umweltbildung und können selbst einfache Zusammenhänge nicht mehr nachvollziehen. Klimawandel und Ressourcenknappheit lassen es jedoch unerlässlich erscheinen, sie für umweltpolitische Themen zu sensibilisieren. Inhaltlich behandelt die Webseite daher das Thema „Natur“ und setzt im direkten Lebensumfeld der Kinder an. So werden die jungen Nutzer zur Selbsterfahrung in der Natur angeregt und können das neu erworbene Wissen praktisch vertiefen.
Die Zielgruppe der Kinder stellt besonders hohe Anforderungen an eine Webseite, da ihre Bedürfnisse ihren Fähigkeiten teilweise widersprechen. Aufgrund eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten ist eine klare übersichtliche Struktur notwendig, zugleich muss aber durch explorative Elemente die „Entdeckerfreude“ der Kinder berücksichtigt wer- den. Auch von der verbreiteten Verwendung satter Grundfarben für „Kinderwebseiten“ sollte abgesehen werden, da die Konzentrationsfähigkeit und der Wissenserwerb hierdurch eingeschränkt wird. Desweiteren schult eine anspruchsvolle Farbverwendung die ästhetische Wahrnehmung und bildet die Farbdifferenzierung aus. Detaillierte und realistische Illustrationen haben einen hohen Wiedererkennungswert und entsprechen den Präferenzen der Kinder. Zugleich ermöglichen sie den Leseanfängern einen schnelleren Überblick über Inhalte. Dieser wird zusätzlich durch die Unterscheidung in die Bereiche Wissen, Spiele, Basteln, Geschichte und Film erleichtert. Damit kommt die Webseite unterschiedlichen Lernstilen und Präferenzen der Kinder entgegen und weist eine klare Struktur auf. Alle Texte wurden für eine möglichst hohe Lesbarkeit optimiert. Als Schriftart wurde eine Fibelschrift gewählt, sodass den Kindern das Lesen nicht durch eine für sie neue Schrift unnötig erschwert wird. Auch sind alle Inhalte darauf ausgelegt, dass sie die Entwicklung fördern: um Misserfolg zu vermeiden, werden die Kinder durch eine gut ausgebaute „Hilfe“-Funktion begleitet und durch kleine Erfolgserlebnisse motiviert. Dies hilft Kindern ein positives Selbstbild aufzubauen und sie damit in ihrer weiteren Entwicklung zu stärken. Darüber hinaus wird die Medienkompetenz der Internetanfänger gesteigert, etwa indem die wichtigsten Positionierungserwartungen eingehalten werden. Auf diese Weise können Kinder schneller ein allgemeines Konzept von Webseiten ausbilden.
Der hier vorgestellten Arbeit liegt eine ausgiebige Literaturrecherche in verschiedenen wissenschaftlichen Teilgebieten zugrunde: um Bedürfnisse und Fähigkeiten der ZielgruppeKölner angemessen zu berücksichtigen, wurde zunächst der Entwicklungsstand der Sechs- bis Elfjährigen aus entwicklungspsychologischer Sicht recherchiert. Weiterhin wurde die Literatur zum Mediennutzungsverhalten der Kinder ausgewertet, um Nutzungsarten sowie Probleme zu ermitteln. Auf lernpsychologischer Grundlage wurde anschließend die Vermittlung von Wissen an Kinder beleuchtet, einschließlich der Erkenntnisse aus Mediendidaktik und -erziehung. Schließlich wurden Anforderungen aus der Screen- und Interfacegestaltung ausgewertet. Die ermittelten Erkenntnisse und Anforderungen der verschiedenen Fachgebiete wurden im Zusammenhang betrachtet und durch Experteninterviews ergänzt, um so allgemeingültige Regeln für ein kindgerechtes Webdesign zu erstellen und diese beispielhaft umzusetzen.